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Susanne Draschar in Salenstein: Spezialistin für kaiserliche Moden

Einzigartige Gruppenführungen durch das Napoleonmuseum - Zeitreise in die kaiserliche Sommerresidenz

Susanne Draschar in Salenstein: Spezialistin für kaiserliche Moden

BK In detailreichen, originalgetreuen Roben geniessen die Kinder ihre Zeitreise in der kaiserlichen Sommerresidenz am Bodensee. Bilder: Napoleonmuseum Arenenberg

Im Napoleonmuseum Arenenberg bei Salenstein führt Susanne Draschar seit 14 Jahren Gruppen durch die historischen Räume und bringt bei ihrem «Arbeitgeber» Napoléon III. mehrere Leidenschaften unter einen Hut.

Wer Susanne Draschar auf dem Arenenberg begegnet, wird zunächst einmal gebeten, seine Taschen in die Schliessfächer zu räumen. Ihre Arbeit als Museumsführerin beginnt nicht mit dem erwarteten Einblick in die Geschichte, sondern einer ersten Orientierung der Besuchenden. «Taschen dürfen nicht mitgenommen werden», erklärt sie und als Nächstes leitet sie die Besuchenden zu den Pantoffeln. «Die Teppiche und das Parkett im Schlösschen sollen so lange wie möglich erhalten bleiben und Strassenschuhe können wir nicht zulassen.» Erst, wenn solche Details geklärt sind, beginnt sie mit der Gruppe von bis zu 20 Menschen ihre Runde im Napoleonmuseum. Rund 50 Minuten werden sie unterwegs sein.

«Es gibt natürlich einen Standard für die Inhalte einer Führung, doch jeder Guide legt seine Schwerpunkte etwas anders», erzählt sie. «Vor allem bei den kleinen Gruppen entwickelt sich oft eine gewisse Eigendynamik und das macht mir viel Freude.» Sie spürt, welche Interessen die Gruppen entwickeln, und passt ihre Exponate oder Anekdoten etwas an.

Die meisten Führungen im Napoleonmuseum sind im Voraus gebuchte Gruppen. Das reicht von Reisegruppen aus Kulturoder Busreisen über Firmenevents bis zu Vereinen. Vielfach stösst sie auf ein grosses Interesse an der Zeitgeschichte: «Man ahnt gar nicht, wie viele Menschen ein teils grosses Vorwissen haben, und so komme ich in einen sehr interessanten Austausch.» Das beobachtet Draschar vor allem bei Gruppen, deren Mitglieder sich kennen: «Dann trauen sich Menschen viel eher, Fragen zu stellen und ihre Neugier zu zeigen.»

Während ihrer Erläuterungen hat sie zugleich ein Auge für alles, was um sie herum geschieht. Gäste, die sich individuell durch das Museum bewegen, dürfen sich zum Beispiel keiner Führung anschliessen - wie auch in anderen Museen. Auch darf sich niemand an das Mobiliar lehnen. «Merke ich, dass es für einzelne Gäste anstrengend wird, besorge ich Sitzgelegenheiten», erzählt Draschar.

Der Zufall hatte seine Hände kräftig im Spiel, als einst die Entscheidung für das Napoleonmuseum fiel: «Eine Freundin erzählte mir, dass dort Guides gesucht wurden», sagt sie. «Ich wiederum suchte nach einer Tätigkeit, die sich mit der Familie und den beiden Kindern abstimmen liess.» Die ausgebildete Fotografin sagte zu und absolvierte den Ausbildungslehrgang. Rund vier Monate hörte sie wöchentlich Vorträge der Museumsdirektion, arbeitete eine Leseliste und Dokumentationen durch. «Es war ein sehr intensives Eintauchen in die französische, aber auch europäische Geschichte», erinnert sie sich-inklusive einer schriftlichen und einer praktischen Prüfung. «Das umfangreiche Lernen gibt eine ausgezeichnete Basis, um fundiert Fragen zu beantworten. Es ist auch grossartig, wenn man selbst in anderen Museen unterwegs ist und einen gewissen Erfahrungsschatz hat.»

Prinzessinnen sind beliebter als Dienstboten

Draschars Begeisterung für Geschichte geht so weit, dass sie das Angebot im Museum erweitern konnte. «Am Anfang gab es kein Kinderprogramm», erzählt sie. «Also entwickelte ich eine Idee, wie man die Lebenswelt des 19. Jahrhunderts für Kinder erlebbar machen könnte.» Aus ihrem Konzept entwickelten sich Kostümführungen, auf die sich ein kleines Team spezialisiert hat. Draschar recherchierte intensiv über die Mode des 19. Jahrhunderts und die leidenschaftliche Hobbyschneiderin nähte zahlreiche Roben und Uniformen in verschiedenen Grössen. «Die Kinder erkennen sich bei Rundgang in den Gemälden wieder, die ich jeweils als Vorlage benutzt habe.» Seit mehr als 10 Jahren sind diese Führungen ununterbrochen beliebt: «Es gibt einige, die so lange mitmachen, wie sie in die Kostüme passen», freut sich die vielseitige Guide.

So findig die Guides auf dem Arenenberg auch sind, so mögen Kinder nicht jede Kostümierung. «Wir hatten mal eine Tour entwickelt, um das 19. Jahrhundert aus Sicht der Dienstboten und Zofen zu zeigen - doch das lief nicht. Keiner wollte das Schloss putzen», lacht sie. Wer für die Kostüme zu gross ist, kann im Schloss jederzeit andere Arbeiten von Susanne Draschar bewundern. Sie schneidert immer wieder Exponate für Ausstellungen und hat sich als Spezialistin für die zeitgenössische Mode etabliert.

Das Einzugsgebiet des Museums am Untersee ist gross, sagt Draschar: «Die meisten stammen aus dem gesamten süddeutschen Raum und der Schweiz. Auch französische Gäste kommen regelmässig zu Besuch.>> Weiter weg fällt die Anreise selten aus, doch es gibt Überraschungen. Im Museumsshop kam Draschar vor einiger Zeit mit zwei jungen Frauen ins Gespräch. «Wie sich herausstellte, waren sie aus Australien angereist.»

Aus dem Dornröschenschlaf geholt

hat den Das Napoleonmuseum Anspruch, die Räume so zu gestalten, wie sie tatsächlich genutzt wurden. Dabei helfen zum Beispiel historische Bilder der Räume oder detaillierte Inventarlisten. «Auf so einer Liste standen über 100 Jahre lang unter anderem geblümte Vorhänge für zwei Fenster», erzählt Draschar. «Sie lagerten im Depot. Nur wusste niemand, wo sie einst hingehörten.» Dass sie sich zu einem der Lieblingsstücke der Guide mauserten, ist einem Zufall zu verdanken und der Geschichte, die damit verbunden ist.

Die Gardinen hätten noch viele Jahre im Depot gelegen, hätte nicht ein Restaurator die Privaträume der Kaiserin Eugénie aufgearbeitet. Unter mehreren Schichten Wandbespannung legte er nach vielen Wochen die Originaltapete frei. Und siehe da, plötzlich ergaben die Vorhänge einen Sinn: «Die Gardine hatte nämlich exakt dasselbe Muster aus zartrosa Rosen mit kleinem Bouquet », erzählt Draschar. «Heute hängen die beiden Schlaufenvorhängen wieder an ihrem angestammten Platz und Eugénies Zimmer erstrahlt im Originaldekor.»

Hinter den Kulissen

Die Museumsseiten stellen in diesem Sommer Menschen vor, die den unterhaltsamen Museumsbesuch möglich machen.