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Ein lebendiger Bodenbelag «arbeitet»

Parkett ist aus Holz und somit ein Naturprodukt. Es lebt mit dem Umgebungsklima. Wie wirkt sich das Raumklima auf das Naturprodukt Holz, insbesondere ein Holz-Parkett, aus?

Parkett ist ein Garant für Wohnkomfort. Bild: Delta Line Allschwil_Lignum

20.09.2021

Die Umgebungsluft beeinflusst die Holzfeuchtigkeit. Im Sommer, bei hohen Luftfeuchtigkeiten, weist das Holz eine höhere Ausgleichsfeuchte auf, und im Winter, bei tiefen Feuchten, liegt das Holz ebenfalls mit tieferen Werten vor.

Das hygroskopische Verhalten ist für alle Holzteile am Bau gleich. Zum Beispiel weisen alte Tür- oder Wandtäferfüllungen im Winter Ränder und einen gut sichtbaren Farbansatz auf oder fallen fast aus dem Rahmen. Sie sind ausgetrocknet und dadurch kleiner geworden.

Bei Parkett wird das Arbeiten des Holzes so sichtbar: Im Sommer liegen die Parkettflächen ganz verschlossen vor, und Riemen können sogar leicht bombiert erscheinen. Im Winter dagegen entstehen Fugen zwischen den Riemen oder Tafeln, und die Elemente können «schüsseln», also leicht aufgewölbte Längskanten aufweisen.

Die Umgebungsluft bestimmt die Holzfeuchtigkeit

Wie bereits erwähnt, bestimmt die Umgebungsluft die Holzfeuchtigkeit. Ein Beispiel: 45% relative Raumluftfeuchte erzeugen 8% Holzfeuchte. Diese Ausgleichsfeuchten treten bei allen Holzarten und allen Holzbauteilen gleich ein. Die Raumtemperaturen beeinflussen die Holzfeuchte dabei nur sehr gering und können vernachlässigt werden.

Alle Holzteile an einem Bauwerk dürfen somit klimabedingt Feuchtigkeitsveränderungen und dadurch Formveränderungen erfahren, müssen aber innerhalb der Normwerte schadenfrei vorliegen. Erfahrungsgemäss ist dem auch so.

Parketthersteller in ganz Europa sind ebenfalls angehalten, diese Werte zu berücksichtigen und Parkett mit einer mittleren Feuchtigkeit (circa 7 bis 8 %) auszuliefern. Erst nach dem Einbau beginnt das Spiel mit dem jahreszeitlich bedingten Feuchtewechsel. Wird Parkett mit 7 bis 8 % Ausgleichsfeuchte geliefert und eingebaut, resultieren kleine Fugen und Schüsselungen, sobald die Holzfeuchte weniger als 7 % beträgt. Steigt die Ausgleichsfeuchte über 8 %, ist die Bodenfläche verschlossen und plan. Ein Holzfeuchtewechsel dauert je nach Holzart etwa zwei bis vier Wochen.

Für Parkett wirkt sich vor allem die trockene Luft und daraus das Schwinden des Holzes oft negativ aus. Häufig hat der Endverbraucher damit nicht gerechnet: Nach seinen Vorstellungen darf Holz an Decke und Wänden sehr wohl «arbeiten», soll aber am Boden möglichst ruhig verbleiben. Kritisch werden Ausgleichsfeuchtigkeiten im Parkett von weniger als 5 % als Folge von Raumfeuchten unter 30 %. Daraus resultieren übermässige Schwindspannungen; das Holz kann, nebst extremen Schüsselungen und Fugen, sogar reissen oder sich ablösen.

Raumklima und mechanische Lufterneuerung

Wohnbereiche in herkömmlicher Bauweise sind träge, und Raumklimaveränderungen treten langsam auf. Im Winter, bei grosser Kälte und Trockenheit draussen, wird wenig gelüftet. Trotzdem sinken die Luftfeuchtigkeiten im Innern in den Bereich von 30 % oder tiefer. Kochen, Duschen sowie alle Lebewesen helfen mit, zu tiefe Raumluftfeuchtigkeiten anzuheben. Meist genügt das noch nicht, aber mit einem zusätzlichen Raumluftbefeuchter können die minimal geforderten 30 % relative Luftfeuchte meist problemlos erreicht werden.

Wesentlich problematischer kann die Situation mit kontrollierten Raumbelüftungen ohne Befeuchtungsmöglichkeit sein. Häufig werden derartige Systeme in Minergiebauten oder auch in grossen Gebäudekomplexen eingesetzt. Die Luftumwälzung und -erneuerung wird im Winter mit sehr trockener und kalter Aussenluft gemischt. Die Aussenluft erwärmt sich, und dabei sinkt der relative Wassergehalt zusätzlich. Kann der Lufterneuerung nicht zusätzlich Wasserdampf beigemischt werden, resultieren nicht selten Raumluftfeuchtigkeiten von nur noch 10 bis 20 % im Innern der Gebäude, und das über viele Wochen.

Im Parkett wirkt sich das mit sicht- und spürbaren Formveränderungen aus. Das Holz trocknet übermässig stark aus und liegt mit extremer Fugenbildung und Verformungen, oft auch mit Beschädigungen vor. Als Folge davon haben die Bewohner am Naturprodukt Holz keine Freude mehr oder sind sogar stark eingeschränkt in der Nutzung des Bodens.

Kontrollierte Belüftungssysteme (Zwangsbelüftungen) sollten so erstellt und konstruiert sein, dass minimal die SIA-Werte von 30 % relativer Raumluftfeuchte während der ganzen Trockenwetterphase und Heizperiode vorherrschen. Dies erfordert eine mechanische Befeuchtungsanlage im System oder zusätzlich aufgestellte Raumluftbefeuchter. Aus Erfahrung jedoch können mobile Geräte gegen Zwangsbelüftungen kaum genügend Wirkung zeigen, da fortlaufend zu trockene Luft ins Gebäude eingeblasen wird.

Empfehlenswerterweise liegen relative Raumluftfeuchtigkeiten im Winter bei circa 45 bis 50%. Damit kann das kleinstmögliche Fugenbild und das minimalste Verformen in Holz-Parkett erzielt werden. Bernhard Lysser