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Die heiligen drei Kräuter

Superfood: Heilkräuter sind in der kalten Jahreszeit wichtiger denn je und können der Gesundheit wertvolle Dienste erweisen. Höchste Zeit, ein wohltuendes Dreiergespann zu würdigen.

Die heiligen drei Kräuter

Illustration: Tom Werner

Drei Könige im Herbst. Was haben sie im Gepäck? Nicht Weihrauch, Myrrhe und Gold, sondern Salbei, Thymian und Rosmarin. Denn die drei haben sich gut informiert. Sie wissen, was die hiesige Bevölkerung in der dunkleren Jahreshälfte benötigt. Der Magier unter ihnen bringt Salbei, «Salvia officinialis», das Kraut der Unsterblichkeit. Als Zeitreisender weiss er, dass die Pflanze schon den Griechen der Antike bekannt war. Deren Philosophie-Schüler kauten die Blätter zur Erfrischung des Geistes und zur Erlangung von Weisheit, Zufriedenheit und Erkenntnis. Salbei statt Kaugummi. Vielleicht lebten sie dadurch auch länger, denn: «Cur moriatur homo, cui salvia crescit in horto?», wie ein Spruch aus dem 13. Jahrhundert annehmen lässt. Übersetzt: «Warum sollte ein Mensch sterben, in dessen Garten Salbei wächst?» Schliesslich ist der Name Salbei vom lateinischen Wort «salvare» abgeleitet, was Heilen bedeutet. Salbei enthält unter anderem Vitamin A, Vitamin C, Vitamin B3, Mineralstoffe wie Kalzium und Kalium und insbesondere viele Bestandteile ätherischer Öle. Als Tee hilft er bei Hals- und Magenschmerzen und ist heilsam als Erkältungsbad. Als natürliches Deo bei Schweissfüssen. Für den «betörenden» Duft sorgte übrigens die griechische Liebesgöttin Aphrodite.Thymian gegen ErkältungenDer zweite König ist ein Kämpfer und bringt Thymus vulgaris, Thymian. Er weiss von römischen Legionären, die in Thymianaufgüssen gebadet haben, schliesslich ist der Begriff vom griechischen «thymus» abgeleitet, was so viel wie Mut und Kraft bedeutet. Gekräftigt konnten sie dann in die Schlacht ziehen. Doch schon die alten Ägypter nutzten Thymian auch als Heilkraut. Und dank der konservierenden Eigenschaft auch zum Mumifi zieren. Thymian enthält Eisen, Vitamin K, in geringem Masse Kalzium, Mangan und Vitamin B und C und ist ideal bei Erkältungskrankheiten. Denn das ätherische Öl Thymol hemmt das Wachstum von Bakterien und Viren und hilft so gegen Husten, Schnupfen, Halsschmerzen und Heiserkeit. Das Kraftkraut wirkt unter anderem antibakteriell, entzündungshemmend, schleimlösend und krampflösend. Als Tee oder Inhalation.Rosmarin – von der Duftzur HeilpflanzeUnd der Dritte? Ist Romantiker. Zurückhaltend preist er den Rosmarin an. Doch sind stille Wasser bekanntlich tief. Vielleicht hat es deshalb etwas gedauert, bis Rosmarin als Heilkraut geschätzt wurde. Jahrhundertelang wurde Rosmarin vor allem seines Duftes wegen geschätzt. Auch hier war Aphrodite im Spiel, denn sie schenkte das Kraut den Menschen – und sie wird ihre Gründe gehabt haben. Fortan wehte also ein Hauch von Rosmarinduft über die griechische Bevölkerung. Spätere christliche Mönche legten weniger Wert darauf, gut zu riechen, als auf die heilenden Eigenschaften des «Rosmarinus officinialis». Sie kultivierten und wertschätzten Rosmarin als Arzneipflanze. Vielleicht auch, weil er als Tee gegen unangenehme Flatulenzen wirkte – Mönche waren Bierbrauer und selbst oft ihre besten Kunden. Die Ballaststoff e im Rosmarin regen zudem die Verdauung an. Doch genug der intestinalen Gründe. Rosmarin liefert Eisen, Magnesium, Vitamin B1, Vitamin C, Vitamin A Niacin, Kalium und Kalzium. Die Pflanze wirkt unter anderem antibakteriell, antiviral, antidepressiv und entzündungshemmend. Alles Eigenschaften, die uns im Winter – wenn Viren und Bewegungsmangel unserem Körper zu schaff en machen – zugutekommen. Daher sollte man im Winter diese drei Kräuter zur Hand haben und ruhig grosszügig benutzen: frisch, getrocknet, als Teebeutel oder wenigstens im Gewürzschrank. Denn sie sind wahre Geschenke für die Gesundheit. Unsere drei Könige wissen das und verabschieden sich mit Zeilen des Komponisten Friedrich Silcher:«Rosmarin und Salbeiblättlein, schenk ich dir zum Abschiedsgruss. Und dies sei mein letzt Gedenken, weil ich dich verlassen muss.» Dominique Simonnot 

Kräuter trocknen

Thymian wird am besten als Bündel an einem warmen, trockenen und dunklen Ort aufgehängt. Vor dem Verwenden die getrockneten Teile zwischen den Fingern verreiben. Hält sich etwa ein Jahr.

Beim Rosmarin schneidet man ganze Zweige ab, entfernt verwelkte Teile und trocknet ihn in der Luft oder im Backofen beziehungsweise im Dörrautomaten (maximal 40 Grad). Danach den abgekühlten Rosmarin luftdicht und lichtundurchlässig aufbewahren.

Salbei kann ähnlich wie Rosmarin in der Luft, im Backofen oder im Dörrautomaten getrocknet werden. Auch er wird am besten in luftdichten und lichtundurchlässigen Behältern gelagert.

Mehrere Kräuter gemeinsam als Bündel sind zudem schön dekorativ – sollten dann aber schnell verwertet werden. (dom)