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«Reformierte Grundbildung wertet das Berufsbild auf», so Berufsfachschullehrerin Anette Wirth am Bildungszentrum Arbon

  

«Reformierte Grundbildung wertet das Berufsbild auf», so Berufsfachschullehrerin Anette Wirth am Bildungszentrum Arbon

Person: Anette Wirth Berufsfachschullehrerin BZ Arbon

Jedes Jahr beginnen rund 6000 Jugendliche eine Lehre im Detailhandel. Mit der reformierten Grundbildung reagiert die Branche auf veränderte Anforderungen und aktuelle Entwicklungen wie die zunehmende Digitalisierung. Anette Wirth ist Berufsfachschullehrerin am BZ-Arbon und erklärt, wie die Digitalisierung die Detailhandelsbranche verändert, wieso die Reform der Grundbildung die richtige Antwort auf diese Entwicklung ist und welche Kompetenzen in Zukunft wichtig sein werden.Wie verändert die Digitalisierung die Detailhandelsbranche?Anette Wirth: Während der Corona-Pandemie hat sich gezeigt, dass eine Onlinepräsenz heutzutage fast unumgänglich ist. Diese Entwicklung wird sich in Zukunft noch verstärken. Die jüngsten Entwicklungen dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieser Digitalisierungsprozess schon lange läuft. Das betrifft nicht nur digitale Verkaufskanäle, sondern vor allem die ganze Logistik und Zahlungsabwicklung.

Ist die Digitalisierung Segen oder Fluch für diese Branche?

Grundsätzlich gibt der Aspekt der Digitalisierung dem Berufsbild neuen Schub und macht den Detailhandelsberuf attraktiver und vielfältiger. Durch die Erfahrungen im Onlinehandel, mit digitalen Marketingstrategien und Social Mediawird der Beruf kompatibler mit anderen Branchen. Die Digitalisierung macht den Detailhandel auch krisenresistenter. Natürlich gibt es aber auch Verlierer bei dieser Entwicklung. Die Konkurrenz wird durch digitale Vertriebskanäle grösser. Viele Detailhändler können das aber durch attraktive Serviceleistungen, kompetente Beratung und ein gutes Einkaufserlebnis kompensieren. So behaupten sie sich gegen die grossen Onlinehändler, aber auch die Konkurrenz im grenznahen Ausland.

Werden solche Kompetenzen mit der reformierten Grundbildung gezielt gefördert?

Ab Sommer 2022 kann in der beruflichen Grundbildung der Schwerpunkt «Gestalten von Einkaufserlebnissen» gewählt werden. Dieser Schwerpunkt zielt genau auf die Ausbildung dieser Kompetenzen. Den Lernenden wird vermittelt, wie sie für ihre Kundinnen und Kunden produkt- und dienstleistungsorientierte Erlebniswelten schaffen und wie sie im Beratungs- und Verkaufsgespräch positive Emotionen wecken können.

Was beinhaltet der zweite Schwerpunkt«Betreuen von Onlineshops»?

In diesem Schwerpunkt präsentieren die Lernenden Produkte online und werten Daten zu Onlineverkäufen und zum Kundenverhalten aus. Sie werden damit zu Fachleuten für «E-Commerce». Grundsätzlich findet mit den neuen Schwerpunkten also eine klare Aufwertung des Berufsbilds statt. Es werden noch mehr Kompetenzen vermittelt, die auch in anderen Branchen wichtig sind.

Finden Sie die neuen Inhalte sinnvoll?

Meiner Meinung nach war es höchste Zeit für Anpassungen. Mit der Reform geht ja auch eine neue Unterrichtsform einher. Neu wird handlungskompetenzorientiert unterrichtet. Das heisst, der Unterricht findet in Zukunft immer bezogen auf konkrete Situationen aus dem Arbeitsalltag der Lernenden statt. Im Fach Deutsch kann die Vermittlung des Lehrstoffs dann beispielsweise anhand einer schriftlichen Antwort auf eine Kundenbeschwerde vermittelt werden. Eine solche Unterrichtsform hilft den Lernenden dann natürlich direkt in ihrem Berufsalltag.

In welchen Bereichen müsste man bei der Reform der Grundbildung noch weiter gehen?

Bei solchen grossen Reformprojekten ist es meistens so, dass bei der Einführung noch nicht alles auf Anhieb reibungslos läuft. Das werden wir dann aber erst ab Sommer 2022 sehen, wenn die Reform in die Praxis umgesetzt wird. Dann werden sicher noch kleinere Verbesserungen und Anpassungen im Detail vorgenommen werden müssen. (pab)