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Weder ein Überflieger noch ein Taucher

Vier Kandidaten wollen den einzigen Urner Nationalratssitz. Die Profile unterscheiden sich vor allem in der politischen Ausrichtung.
Heute Ständeratsanwärterin, vor neun Monaten Bundesratskandidatin: Heidi Z’graggen (CVP) hat am 20. Oktober keine Gegner. Bild: Peter Klaunzer/Keystone (Bern, 4. Dezember 2018)

Heute Ständeratsanwärterin, vor neun Monaten Bundesratskandidatin: Heidi Z’graggen (CVP) hat am 20. Oktober keine Gegner. Bild: Peter Klaunzer/Keystone (Bern, 4. Dezember 2018)

Florian Arnold

Im Kanton Uri sorgen vor allem die Nationalratswahlen für Spannung: Vier Kandidaten stellen Anspruch auf den einzigen Urner Sitz in der grossen Kammer – und dies aus allen vier grossen Lagern. Es sind dies Simon Stadler (CVP), Matthias Steinegger (FDP), Pascal Blöchlinger (SVP) und Urs Kälin (SP).

Frühe Kandidatur hält Konkurrenz ab

Unspektakulär hingegen gestalten sich die Ständeratswahlen. Den bisherigen Josef Dittli (FDP) und die einstige Bundesratskandidatin Heidi Z’graggen (CVP) getraut offenbar niemand anzugreifen. Auch wenn Dittli jüngst widersprüchliches Engagement nachgesagt wurde – er war gleichzeitig mit der Tabak wie der Krankenkassenlobby verstrickt –, ist und bleibt er ein gut vernetzter Politiker, der nach wie vor viel Rückhalt in der Gesellschaft geniesst. Heidi Z’graggen hat sich durch ihre Bundesratskandidatur in eine optimale Ausgangsposition gebracht. Nur schon durch den Wahlkampf vom vergangenen Herbst ist sie mit vielen Politikern in Bern in Berührung gekommen. Dass sie schliesslich nach dem Rücktritt von Isidor Baumann (CVP) ohne zu zögern ihre Ständeratskandidatur bekanntgab, war ein cleverer Schachzug, mit dem sie signalisierte, dass sie auf diese Situation vorbereitet war. Als amtsälteste Urner Regierungsrätin kann ihr niemand die politische Erfahrung absprechen. Kurz: Die Wahl von Dittli und Z’graggen scheint unbestritten.

Nationalratswahlen Kanton Uri* 2015

Politische Erfahrung ist für einmal kein Ass im Ärmel

Das Feld der Urner Nationalratskandidaten ist ausgeglichen, einen absoluten Überflieger kann man genauso wenig ausmachen wie jemanden, der gegenüber der Konkurrenz total abfallen würde. Alle vier verfügen über fundierte politische Erfahrung. Matthias Steinegger, Pascal Blöchlinger und Simon Stadler sitzen seit 2012 im Urner Landrat, Blöchlinger ist seit Juni Landratspräsident und war wie Steinegger auch Kantonalpräsident seiner Partei, währenddessen Simon Stadler die Spitalkommission präsidiert, welche den Bau des neuen Urner Kantonsspitals überwacht. Und Urs Kälin ist seit 2009 im Gemeinderat Altdorf, heute ist er Gemeindepräsident. In einem kommunalen Abstimmungskampf hat er jüngst Hartnäckigkeit bewiesen, indem er die unpopuläre Aufgabe wahrnahm, die Initiative eines Sportvereins für den Bau eines Kunstrasens zu bekämpfen. Sehr deutlich übernahmen die Altdorfer die Haltung des Gemeinderats, dass dies wohl zu teuer sein dürfte.

Simon Stadler setzte sich erfolgreich für einen Erweiterungsbau des Berufs- und Weiterbildungszentrums Uri ein und trat auch mit anderen politischen Vorstössen in Erscheinung, die beim Landrat Gehör fanden. Als Matthias Steineggers grossen politischen Erfolg werten kann man das Ja zur «zweiten Röhre» am Gotthard, für das er an vorderster Front kämpfte. Neben dem Einreichen von einigen Vorstössen im Landrat war Pascal Blöchlinger einer der Drahtzieher der Standesinitiative «zur Souveränität bei Wahlfragen», wodurch die Kantone ihr Wahlsystem unabhängig der Einschätzung des Bundesgerichts hätten festlegen können. Diese wurde, nachdem es einige Hürden genommen hatte, erst bei der Schlussabstimmung verworfen.


Sechs Kandidaten wollen für Uri nach Bern, nur drei können

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Die Urner Linken wollen erstmals den Sprung nach Bern schaffen und schicken dafür den Altdorfer Gemeindepräsidenten Urs Kälin ins hart umkämpfte Rennen um den einzigen Nationalratssitz.

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Die CVP Uri will wieder zur alten Ordnung zurück, als jeweils zwei Urner in Bern vertreten waren. Simon Stadler, Sohn des ehemaligen Ständerats Hansruedi Stadler, will in den Nationalrat.

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Heidi Z’graggens Interesse an einem Amt in Bern ist mit der Kandidatur für den Bundesrat im vergangenen Herbst gewachsen. Als Ständeratsanwärterin wird die CVP-Frau nicht angegriffen.

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Der Attinghauser FDP-Ständerat Josef Dittli ist der einzige Bisherige unter den sechs Urner Kandidaten. Seine Wahl ist unbestritten, da für die beiden Sitze nur zwei Personen kandidieren.

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Die FDP Uri wittert ihre Chance, zum ersten Mal mit zwei Personen in Bern vertreten zu sein. Wissen will es Matthias Steinegger, Sohn des Polit-Schwergewichts Franz Steinegger.

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Die SVP will den Sitz von Beat Arnold verteidigen und steigt mit dem ehemaligen Kantonalpräsidenten Pascal Blöchlinger ins Rennen, der zurzeit Landratspräsident ist.


In Uri braucht er nur eine Stimme mehr

Uri in Zahlen

System Da im Kanton Uri nur ein einziger Sitz im Nationalrat besetzt werden kann, wird dieser per Majorzsystem bestimmt. Allerdings gibt es nur einen Wahlgang, sodass schliesslich das relative Mehr entscheidend ist: Jene Person mit den meisten Einzelstimmen ist gewählt.

Das verlangt den politischen Parteien und deren Kandidaten einiges an taktischem Gespür ab. Denn mit jeder zusätzlichen Kandidatur steigen die Chancen, dass sich die Stimmen ähnlich Gesinnter mehr splitten. Das wiederum nützt jenen Parteien, die eher wählerschwach sind, aber auf eine treue Wählerschaft zählen können.

Neuenburger holt in Uri keine einzige Stimme

Vier Kandidaten für einen Nationalratssitz: Das gab es in Uri zuletzt 2003 – und dies erst noch wegen einer «Pseudokandidatur ». Neben Gabi Huber, die schliesslich gewählt wurde, dem Erstfelder Grünen Armin Braunwalder und dem Seedorfer SVP-Vertreter Paul Dubacher liess sich auch der Neuenburger Yves Merminodaufstellen. Letzterer holte schliesslich keine einzige Stimme und konkurrenzierte somit auch nicht die restlichen Kandidaten. Das wird bei den diesjährigen Wahlen anders sein. Zur Auswahl stehen drei bürgerliche und ein linker Kandidat. Selten standen somit die Chancen für das linke Urner Lager so gut, weil sich gleich drei Bürgerliche die Stimmenteilen. Chancen ausrechnen darf sich aber auch der Pol-Politiker der SVP. Für alle Kandidaten heisst das Ziel aber, ein klein wenig besser zu sein als der Rest. (zf)