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Alle gegen «dä Zubi»

Die SVP muss um ihren Sitz in Ausserrhoden bangen – trotz Pannenwahlkampf der FDP.
Nationalratswahlen Kanton Appenzell Ausserrh. 2015 - Wählerstärken in Prozent

Nationalratswahlen Kanton Appenzell Ausserrh. 2015 - Wählerstärken in Prozent

David Scarano

Eine kriselnde SVP gegen eine FDP, die sich das Leben selber schwer macht. Ein um seine Wiederwahl zitternder Nationalrat gegen eine Last-Minute-Kandidatin, die nur wenige kennen. Dazu die SP, die dem Freisinn aus der Patsche helfen will. Das Rennen um den einzigen Ausserrhoder Sitz in der grossen Kammer ist auch für Appenzeller Verhältnisse wunderlich.

Erster Hauptdarsteller im Ausserrhoder Wahldrama ist der Herisauer SVP-Politiker und Unternehmer David Zuberbühler. «Dä Zubi», wie er sich nennt, politisiert seit vier Jahren in Bern. Der Nationalrat möchte eine zweite Legislatur anhängen. Allerdings weiss er, dass es trotz Amtsbonus eng werden dürfte. Gegner werfen ihm vor, ein politisches Leichtgewicht in Bern zu sein. Zudem hat er Mühe, seine Wählerbasis zu vergrössern. Er hat mehrfach versucht, sich von der in Ausserrhoden nicht sonderlich beliebten Mutterpartei zu distanzieren. So kritisierte er zuletzt das Würmliplakat stark. Aber im traditionell liberalen Kanton ist nicht unbemerkt geblieben, dass er im Nationalrat stramm rechts wählt. Im Parlamentarierrating der NZZ findet man den Herisauer, der Mitglied der Parteileitung der SVP Schweiz ist, rechts von Ulrich Giezendanner und Heinz Brand. Erschwerend für Zuberbühler kommt hinzu, dass die SVP Ausserrhoden wie die Mutterpartei im Formtief steckt. Bei den Gesamterneuerungswahlen Anfang 2019 verlor sie auf einen Schlag fünf der zwölf Kantonsratssitze und ist damit nur noch die viertstärkste Kraft.

Ausserrhoden in Zahlen

Vabanquespiel der Freisinnigen

Die zweite Hauptdarstellerin heisst Jennifer Abderhalden. Viele im Kanton können mit diesem Namen noch wenig anfangen. Die 41-jährige FDP-Kandidatin dürfte aber vom Frauenboom profitieren, vor allem da sie Vorstandsmitglied der Ausserrhoder Frauenzentrale ist. Allerdings hat Abderhalden unter der Strategie des Freisinns zu leiden, der im Wahlkampf bislang einen eher glücklosen Eindruck hinterlassen hat. Ihr blieben nur gerade zwei Monate, um sich bekannt zu machen, denn die Nomination erfolgte erst Mitte August.

Schuld daran hat das Vabanquespiel der FDP. Die viele Jahrzehnte alles dominierende und auch heute noch stärkste Ausserrhoder Partei war nahe dran gewesen, im entscheiden- den Moment zu versagen. 2015 erlitt sie eine bittere Niederlage im Kampf um den Nationalratssitz, die arg am Selbstverständnis der ehemaligen Staatspartei rüttelte. Vier Jahre hatte sie Zeit, um sich auf die Mission Rückeroberung vorzubereiten. Schliesslich musste sich die Partei glücklich schätzen, überhaupt antreten zu können.

Die FDP liess 2019 lange offen, mit wem sie ins Rennen steigen wollte. Mantramässig wiederholte sie, mehrere Kandidaten stünden zur Verfügung. Dann verschob sie die Nomination überraschend auf Anfang August, mit einer wenig über- zeugenden Begründung: Man wolle das Parteifest mit Ignazio Cassis für die Lancierung nutzen. Nach den Sommerferien war klar, dass dies nicht ganz der Wahrheit entsprach. Die FDP hatte auf ihre Spitzenkandidatin warten wollen. Daniela Merz, Schwiegertochter von alt Bundesrat Hans-Rudolf-Merz, musste sich einer Operation unterziehen. Sie verzichtete Anfang August wegen Komplikationen auf ihre Kandidatur. Die Parteileitung stand vor dem Nichts. Nach einer kurzen Bedenkzeit sprang Abderhalden als Retterin ein.

SP verzichtet auf eigene Kandidatur


Dass diese nun doch noch Chancen auf einen Wahlsieg hat, liegt vor allem an den Linken im Kanton. Die SP hat sich auf die Fahne geschrieben, die Wiederwahl von David Zuberbühler mit allen ihr zur Verfügung stehen- den Mitteln verhindern zu wollen. Sie wirft ihm unter anderem vor, ein Klimaleugner zu sein. Die Abneigung ist derart gross, dass die SP trotz parteiinterner Kritik eine Allianz mit der FDP eingegangen ist. Die Sozialdemokraten verzichten sogar auf eigene Kandidatur, um das Anti-Zuberbühler-Lager nicht zu spalten.

Falls dieser Coup gelingt, verhilft aber ausgerechnet die SP der FDP dazu, die beiden einzigen Ausserrhoder Sitze im Bundesparlament (1 National- rat, 1 Ständerat) zu besetzen. Und eine solche Übervertretung des Freisinns hatten die Linken in der Vergangenheit regelmässig kritisiert. Doch im Ausserrhoder Wahldrama verwundert fast nichts mehr.


Wilder fordert Caroni heraus

Ständerat Die Wiederwahl von Andrea Caroni in die kleine Kammer ist so gut wie sicher. Der FDP-Ständerat wird zwar von Reto Sonderegger (SVP) herausgefordert, dessen Chancen sind allerdings gleich null. Sonderegger, ein eher unscheinbarer Lokalpolitiker aus Herisau, tritt gegen den Willen seiner eigenen Partei an. Die SVP hat öffentlich bekannt gegeben, den wilden Kandidaten in «keiner Art und Weise, auch nicht finanziell», zu unterstützen. Die Partei empfiehlt weiterhin Caroni zur Wiederwahl. (dsc)


Kopf des Kantons

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