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Verunsicherung als Einladung

Stefan Inauen gibt seiner Kunst durch Loslassen und Regelverzicht eine eigene Handschrift.

Verunsicherung als Einladung

Stefan Inauen, "42 Square Meters of Shade", Ausstellungsansicht: Eugster | Belgrad, 2026. Foto: Tamara Knežević

Welche Themen oder Erlebnisse leiten Sie bei Ihrer Arbeit? Ich bin in einer Welt aufgewachsen, in der Wert hat, was sich zählen, zeigen und erklären lässt. Fleiss war eine Tugend, Genauigkeit eine Pflicht. Wer träumte, schluderte oder eigenwillig herumstrich, hatte sich zu schämen. Kreativität aber keimt genau in diesem beschämten Zwischenraum. Sie wartet dort, wo die Kontrolle nachlässt, wo niemand zuschaut, wo man sich keine Mühe gibt zu gefallen. Mit zwanzig aber merkte ich, dass mich das Ungenaue viel stärker anzog als das Präzise. In Zürich bewunderte ich die meisterhaften Graffiti in der Bahnhofseinfahrt. Aber was mich bewegte, waren die schiefen und ungelenken unter Appenzeller Brücken. Jemand hatte dort Graffiti machen wollen, es aber nicht so hinbekommen wie beabsichtigt. Gerade darin steckte etwas Unverwechselbares, etwas, das kein Können imitieren kann: das eigene Scheitern, unverstellbar und präzise in seiner Ungenauigkeit. Nicht das polierte Ergebnis, sondern der zögernde Strich, der falsche Ansatz, das Zuviel und das Zuwenig - das ist Handschrift im tiefsten Sinne. Genau diese Spur verfolge ich. Ich versuche, durch Handwerk hindurch zum Nichthandwerk zu gelangen: zu etwas, das nicht nach Absicht riecht. Ich stehe vor der leeren Leinwand und versuche, nichts zu wollen. Kein Ziel, kein Bild im Kopf zu haben.

Ein Strich ruft den nächsten. Es gibt keinen falschen, jeder führt zum Ganzen. Das Schwierigste ist nicht die Technik, sondern das Loslassen der Vorstellung, dass etwas gut werden muss.

"Ohne Titel", 2024.
"Ohne Titel", 2024.

Was verbindet Sie mit der Ostschweiz?

Ich bin hier aufgewachsen. Ob dies aber wirklich verbindet, weiss ich nicht.

Welche Funktion von Kunst nehmen Sie als die wichtigste wahr?

Sie darf alles sein. Es gibt keine Regeln. Im Optimalfall zeigt sie die eigenwillige Weltanschauung einer Person und lässt Betrachtende für einen Moment an der eigenen Wahrnehmung zweifeln. Vielleicht ist das die einzige Funktion, die zählt: Verunsicherung. Nicht als Angriff, sondern als Einladung. Kunst, die erklärt, was sie will, braucht man nicht. Was mir wichtig erscheint, ist das, wofür es noch keine Worte gibt.

In welchen (Ost)Schweizer Museen sind derzeit Werke von Ihnen zu sehen?

Permanent stelle ich eine grosse Malerei in einem Schopf in Appenzell aus, auf dem Gelände des Hotels Hof Weissbad. Und am 6. September 2026 veranstalte ich von 11 bis 18 Uhr ein Openhouse mit neuen Werken in meinem Studio in Appenzell (Gaiserstrasse 49).

Wie erleben Sie den Kontakt mit dem Publikum?

Betretenes Schweigen, manchmal Naseputzen oder höfliches Klatschen. (bsr)

STECKBRIEF

Name: Stefan Inauen
Wohnort: Appenzell
Beruf: Künstler
Materialwahl: Acryl, Aquarell, Airbrush, Einfaches, Alltägliches und Gefundenes
Wichtigster Leitfaden: Keep it simple

Saurer Museum Arbon

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Das Saurer Museum, an der schönen Seepromenade in Arbon gelegen, zählt zu den bedeutenden Industriemuseen der Schweiz. Es vermag mit der Geschichte und den Produkten des einst weltbekannten Unternehmens jährlich Tausende Besucher zu begeistern.

Stickmaschinen von der uralten "Chlüpperlimaschine" aus den 1860er-Jahren bis zu den lochkartengesteuerten Vollautomaten, patentiert 1912, sticken in diesem Industriemuseum die weltbekannten St. Galler Stickereien. Selbstverständlich fehlen auch die heute noch bekannten Saurer-Postautos nicht. Aber das Museum zeigt auch Feuerwehrautos, Lastwagen und den bekannten Militär-Lastwagen "Vierlivier". Webmaschinen verschiedenster Generationen rattern und weben im Museum Bänder, Hand- und Frottiertücher.

Das Museum wird engagiert durch freiwillige, begeisterte Mitglieder des Oldtimer-Club Saurer betrieben. Bei Gruppenbesuchen wird gewoben und gestickt. (vred)

Saurer Museum Arbon
Weitegasse 8
Mo–So 10–18 Uhr
www.saurermuseum.ch


"Reiseziel Museum" im Appenzellerland

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Sechs Ausserrhoder Museen öffnen in diesem Sommer ihre Türen nochmals am 6. September für die Aktion "Reiseziel Museum".

Familien können 57 Museen in Vorarlberg, Liechtenstein sowie in den Kantonen St. Gallen und Appenzell Ausserrhoden besuchen und werden mit einem speziellen Programm von 10 bis 17 Uhr überrascht. Mit dabei sind im Appenzellerland die Museen in Gais und Heiden, das Museum Henry Dunant Heiden, das Brauchtumsmuseum Urnäsch, das Volkskunde-Museum Stein und das Museum Herisau. Der Eintritt beträgt einen Franken bzw. einen Euro pro Person und Institution, nur für Familien. An diesem Sonntag bietet der ÖV freie Fahrt mit Bus und Bahn im gesamten ReisezielGebiet für alle teilnehmenden Familien an.

Detaillierte Informationen zu Programm und Tickets unter www.reiseziel-museum.com. (vred)

Museen im Appenzellerland
www.reisen-im-appenzellerland.ch