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Die elektrische Wundertüte

Hyundai will mit seiner Premium-Marke Genesis den europäischen Markt aufmischen. Modelle wie die Nobellimousine G80 sollen vor allem mit ihrem VIP-Service punkten.

Konkurrenzfähig, aber nicht revolutionär: Der Genesis G80 erfüllt alle Erwartungen an einen Viertürer der oberen Mittelklasse. Bild: PD

12.07.2021

«Gangnam Style» war erst der Anfang. Seit Rapper Psy vor knapp zehn Jahren sämtliche Youtube-Rekorde brach und K-Pop als gängigen Musikstil etablierte, ist Südkorea auf dem Radar der kulturellen Weltöffentlichkeit angekommen. K-Dramen eroberten die Filmstreamingdienste, K-Beauty wurde zum Nonplusultra in der Kosmetik, der Streetstyle aus Seoul schaffte es in die internationalen Modezeitschriften, und während Korean-Barbecue-Restaurants in den Metropolen wie Pilze aus dem Boden schossen, tauchte in den Supermarktregalen ein Fermentationsprodukt namens Kimchi auf.

Warum das für Genesis von Belang ist, wo doch Konzernmutter Hyundai schon erfolgreich Autos baute, als Psy noch ein unbekannter Musikstudent war? Weil Südkorea nicht mehr nur als führende Industrienation wahrgenommen wird – Korea gilt mittlerweile als cool, und Image ist bekanntlich alles. Zumal in dem Segment, in dem sich die 2015 als eigenständige Marke lancierte Nobeltochter dazu anschickt, nach Asien und den USA auch den europäischen Markt aufzumischen. Anders als noch vor einigen Jahren könnte die Zeit nun tatsächlich reif sein für Premium-Fahrzeuge «made in Korea».
   

Mazda - Garage Meier Egnach AG

Kamera statt Rückspiegel

Fünf Meter Aussenlänge, mächtige Front, sportlich-elegante Linienführung und hochwertiges Leder, Holzintarsien sowie ein modernes Infotainment in einem tadellos verarbeiteten Interieur – der Genesis G80 erfüllt alle Erwartungen an einen Viertürer der oberen Mittelklasse. Nicht weniger, allerdings auch nicht mehr, als man in dem Segment gewohnt ist. Die Fahrt mit dem 2,5-Liter-Turbobenziner mit 304 PS und serienmässigem Allradantrieb (alternativ gibt es einen 2,2-Liter-Diesel mit 210 PS und Heckantrieb) bestätigt den Eindruck einer konkurrenzfähigen, nicht aber revolutionären Limousine: Der Motor arbeitet souverän, die Geräuschdämmung ist gut, die Achtgang-Automatik verrichtet ihre Arbeit weitgehend unauffällig, die Abstimmung wirkt ausgewogen. Das eine oder andere Feature fällt positiv auf: Unter anderem wird beim Blinken nicht bloss ein Totwinkelwarner aktiviert, sondern im Cockpit das Bild einer rückwärtsgewandten Kamera eingeblendet. Doch ob das reicht, um die Kundschaft von einer Abkehr von Traditionsmarken zu überzeugen?

Individuelle Ansprechperson

Wohl kaum, und das wissen sie auch bei Genesis: «Wir werden unsere Wettbewerber nicht mit ihren eigenen Waffen schlagen», so Chefentwickler Tyrone Johnson. Vielmehr geht es laut Dominique Boesch, Geschäftsführer von Genesis Motor Europe, darum, «eine völlig neue Kundenerfahrung im PremiumAutosegment » zu bieten. Statt auf ein klassisches Händlernetz setzt die Marke auf Showrooms an bester Citylage in London, München und Zürich (Bahnhofstrasse 62) sowie auf einen Onlinevertrieb mit transparenten Preisen – den getesteten G80 gibt es ohne verwirrendes Rabatt-Wenn und Bonus-Aber ab 60 500 Franken. Stets inbegriffen ist ein Fünfjahresrundumservice einschliesslich Hol- und Bringdienst, wobei sich ein «Genesis Personal Assistant » als individuelle Ansprechperson um jegliche Belange kümmert. «Kern des Genesis-Erlebnisses ist der Respekt vor dem grössten Luxus überhaupt: der Zeit unserer Kundinnen und Kunden», erklärt Boesch.

Schwierig wird es für die Südkoreaner allemal. Zur Erinnerung: Japan hat Sushi, Sake und Mangas, gilt schon viel länger als cool und wurde in Europa als Premium-Fahrzeugproduzent dennoch nie vollständig akzeptiert. Die Toyota-Tochter Lexus mag ihre Stammkundschaft haben, die Nissan-Tochter Infiniti zog sich 2019 jedoch aus dem Markt zurück, während es die Honda-Tochter Acura es gar nicht erst wagte. Keine Präsenz in Europa? Für Genesis dennoch keine Option: «Wir müssen hart arbeiten, um uns hier behaupten zu können, sind aber davon überzeugt, dass wir etwas anbieten können, das uns von anderen unterscheidet», sagt Boesch.

Den Beweis dafür antreten sollen nebst der im Sommer lancierten Limousine G80 und ihrem SUV-Pendant GV80 (ab 78 000 Franken) bald auch die darunter positionierten Modelle der G70er-Baureihe. Und wie vom Hyundai-Konzern mit seiner erfolgreich gestarteten E-Offensive nicht anders erwartet, wird künftig auch die Luxustochter elektrifiziert.

Den Anfang macht hier im Laufe des nächsten Jahres der Electrified G80 mit bis zu 427 Kilometer Reichweite. Auch das ist nicht mehr, als die Konkurrenz etwa von BMW zu bieten hat. Doch mit dem Unterschied, dass sich der Personal Assistant um die Fahrzeugabholung für den Reifenwechsel kümmert, während man sich im Restaurant ein Korean Barbecue gönnt – das gibt es sonst nur bei Rolls-Royce.

Nina Treml
  

Genesis G80 2.5T AWD

Modell: Viertürige, fünfsitzige Limousine der oberen Mittelklasse.
Masse: Länge 5,00 Meter, Breite 1,93 Meter, Höhe 1,47 Meter, Radstand 3,01 Meter.
Kofferraumvolumen: 424 Liter.
Motor: 2,5-Liter-4-Zylinder-Turbo mit 304 PS und 422 Nm.
Antrieb: 8-Gang-Automatik, Allradantrieb.
Fahrleistungen: 0–100 km/h in 6,0 s. Höchstgeschwindigkeit 250 km/h.
Normverbrauch: 9,2 l/100 km, CO₂-Ausstoss 205–210 g/km (WLTP).
Preis: Ab 60 500 Franken (Diesel 2.2 ab 52 700 Franken).

Genesis-Kombi konkurrenziert BMW 3er Touring

In der Businessklasse dürfen in der Schweiz Kombis nicht fehlen. Genesis bringt daher sein Mittelklassemodell G70 auch in einer Variante mit grossem Kofferraum. Diese streckt sich wie die Limousine auf eine Länge von 4,69 Meter und tritt unter anderem gegen den BMW 3er Touring an. Gegenüber der Limousine soll das Kofferraumvolumen des G70 Shooting Brake um 40 Prozent höher ausfallen und dank einer im Verhältnis 40:20:40 umklappbaren Rückbanklehne variabel sein. Konkretere Angaben macht der koreanische Hersteller nicht. Aussagen zur Motorisierung des auf den europäischen Kundengeschmack abgestimmten Kombis fehlen ebenfalls. Der G70 startete 2016 auf dem koreanischen Markt und erhielt Ende 2020 ein umfangreiches Facelift. (red)In der Businessklasse dürfen in der Schweiz Kombis nicht fehlen. Genesis bringt daher sein Mittelklassemodell G70 auch in einer Variante mit grossem Kofferraum. Diese streckt sich wie die Limousine auf eine Länge von 4,69 Meter und tritt unter anderem gegen den BMW 3er Touring an. Gegenüber der Limousine soll das Kofferraumvolumen des G70 Shooting Brake um 40 Prozent höher ausfallen und dank einer im Verhältnis 40:20:40 umklappbaren Rückbanklehne variabel sein. Konkretere Angaben macht der koreanische Hersteller nicht. Aussagen zur Motorisierung des auf den europäischen Kundengeschmack abgestimmten Kombis fehlen ebenfalls. Der G70 startete 2016 auf dem koreanischen Markt und erhielt Ende 2020 ein umfangreiches Facelift. (red)