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Der Alltag definiert seine Ökobilanz

Dank Plug-in-Hybridantrieb schaffte es der riesige SUV Ford Explorer nach Europa. Doch sparsam ist der 2,5 Tonnen schwere Siebensitzer nur, wenn er häufig an der Steckdose hängt.
Über fünf Meter lang und über zwei Meter breit: Der Ford Explorer ist für Amerika gemacht. Bis zu sieben Personen finden darin Platz. Bild: PD

Über fünf Meter lang und über zwei Meter breit: Der Ford Explorer ist für Amerika gemacht. Bis zu sieben Personen finden darin Platz. Bild: PD

Dave Schneider 

Die aktuelle CO2-Politik trägt bizarre Früchte: Vernünftige Kleinwagen verschwinden vom Markt, weil ihre Elektrifizierung zu teuer wäre, gleichzeitig werden grosse, schwere Plug-in-Hybride (PHEV) ins Angebot aufgenommen, weil diese im Normzyklus hervorragende Werte liefern und somit den CO2-Schnitt des Herstellers nach unten drücken. Doch PHEV sind in der Herstellung und in der Entsorgung eine grössere Umweltbelastung, und im Gebrauch sind sie nur dann sparsam, wenn sie häufig an der Steckdose hängen. Eine Studie hat gezeigt, dass dies die wenigsten PHEV-Besitzer tun: Drei Viertel der in Deutschland zugelassenen PHEV werden so gut wie gar nie ans Ladekabel gehängt. Sie werden gekauft, weil die staatlichen Subventionen den Kaufpreis nach unten drücken. Oder weil der PHEV die leistungsstärkste Variante eines Modells ist.

Ein gutes Beispiel für diese Praxis ist der Ford Explorer. Der über fünf Meter lange, über zwei Meter breite und 2,5 Tonnen schwere Siebensitzer hätte es heutzutage niemals nach Europa geschafft. Doch mit einem Plug-in-Hybridantrieb ausgestattet, emittiert er im WLTP-Zyklus nur 71 Gramm CO2 pro Kilometer und liegt somit deutlich unter der aktuell geltenden Limite von 95 Gramm. Das hilft dem Hersteller, CO2-Bussen zu vermeiden oder zumindest zu reduzieren – der Umwelt macht man damit aber keinen Gefallen.

Bütikofer Automobile AG

Keine US-Schaukelkiste

Denn auf der Strasse schwankt der Verbrauch zwischen null Liter, wenn der PHEV auf kurzen Strecken gefahren und dazwischen konstant aufgeladen wird, bis gegen 12 Liter auf 100 Kilometer, wenn die Batterie nicht aufgeladen wird. In einem zweiwöchigen Test mit wenigen Ladestopps zeigte die Verbrauchsanzeige 8,6 Liter an – ein guter Dieselmotor wäre effizienter.

Wenn man das Verbrauchsthema aussen vor lässt, ist der Explorer PHEV ein famoses Gefährt. Der Siebensitzer ist bereits zum Basispreis grosszügig ausgerüstet, es fehlt weder an Komfort- noch an Sicherheitsfeatures. Er wirkt durch und durch amerikanisch, was nicht negativ gemeint ist: Das Interieur ist vielleicht nicht penibel, aber sauber verarbeitet, die Platzverhältnisse sind fürstlich, das Gestühl bequem und die Abrollqualitäten sind vorzüglich. Dabei ist der Explorer keine Schaukelkiste, wie man es von grossen US-SUV kennt, sondern lässt sich angenehm durch Kurven lenken – Fahrwerke können sie bei Ford.

Der Zustieg zur dritten Sitzreihe, die komplett im Kofferraumboden verstaut werden kann, gelingt gut, der Sitzkomfort dort ist zwar eingeschränkt, doch für kurze Strecken zumutbar. In Reihe eins und zwei sitzt man sehr bequem und mit viel Platz für Beine, Schultern und Kopf. Je nach Konfiguration variiert das Ladevolumen erheblich: Sind Reihe zwei und drei heruntergeklappt, fasst der Explorer 2274 Liter. Sind alle sieben Sitze hochgeklappt, bleiben noch mickrige 240 Liter. Entsprechend breit ist der Nutzungsbereich des Explorer PHEV – die Anhängelast von 2,5 Tonnen ist ein weiteres Kaufargument.

Der Plug-in-Hybridantrieb ist eine Kombination aus Dreiliter-V6-Turbobenziner und Elektromotor, die Systemleistung beträgt 457 PS, das maximale Drehmoment gewaltige 825 Nm bei 2500 Umdrehungen. Klar, dass der Explorer damit flott unterwegs ist: Den Paradesprint von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde absolviert er dank einer flink schaltenden Zehngang-Automatik und adaptivem Allradantrieb lässig in sechs Sekunden – da werden manche Sportwagen neidisch. Mit voll geladener Batterie (13,1 kWh) können gemäss WLTP bis 42 Kilometer rein elektrisch gefahren werden – wir schafften nur rund die Hälfte davon. Wer mit dem Explorer also vorwiegend kurze Strecken fährt und zu Hause und im Büro eine Lademöglichkeit hat, ist damit sparsam unterwegs. Alle anderen sind es nicht.

So bleibt beim Ford Explorer PHEV das gleiche Fazit wie bei jedem Plug-in-Hybriden: Nicht für alle ist diese Antriebsart empfehlenswert – wie viel das Auto verbraucht, liegt in der Hand des Fahrers. Wer diesen Fullsize-SUV sein Eigen nennen möchte, hat aber keine Wahl: In Europa wird er nur als PHEV angeboten. Eine clevere Entscheidung.

Ford Explorer PHEV ST-Line

Mobdell: Fullsize-SUV
Masse: Länge 5063 mm, Breite 2107 mm, Höhe 1783 mm, Radstand 3025 mm
Kofferraum: 240 bis 2274 Liter
Antrieb: Plug-in-Hybridantrieb aus 3-Liter-Turbobenziner und Elektromotor, Systemleistung 336 kW (457 PS)
Batteriekapazität: 13,1 kWh
Fahrleistungen: Von 0 auf 100 km/h in 6 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 230 km/h
Verbrauch (WLTP): 3,1 Liter auf 100 Kilometer
CO2-Ausstoss (WLTP): 71 Gramm pro Kilometer
Elektrische Reichweite (WLTP): 42 Kilometer
Preis: Ab 88110 Franken